Monika & Ueli freuen sich auf ihr Heim und auf's Bébé

Oberhalb des Riemenstaldentals baut ein junges Paar an seiner Zukunft. Die Coop Patenschaft für Berggebiete baut mit.

«Wir glauben an uns und an die Zukunft»

Text Franz Bamert Fotos Heiner H. Schmitt
Eine bleiche, müde Wintersonne stemmt sich über den Kaiserstock. Doch Dis in den Riedberg UR, auf diesen Hof auf 850 Metern, reichen die Strahlen nicht. «Wir sind vier Monate lang im Schatten, sagt Ueli Zwyer (28). Er hat den Bergbauernbetrieb von seinem Vater übernommen und bewirtschaftet ihn mit seiner 27-jahrigen Frau Monika.

Der Riedberg im Urnerland ist auf Anhieb wohl nicht gerade der Traumhof eines Jungbauern-Paares. Und das nicht nur wegen der langen Wintermonate: Rund um den Hof muss man wahrscheinlich noch den Hühnern Steigeisen anziehen, so steil ist das Riemenstaldental, welches vom Reusstal abbiegt. Wer hier mit dem Ladewagen fahrt, fährt auf eigene Gefahr. Und reich wird man auf den bewirtschafteten 13 Hektaren sicher auch nie. Doch auf die entsprechenden Fragen meint der Jungbauer: «Ich bin hier geboren, kenne jeden Hügel und jede Tanne am Waldesrand Ich weiss, wo welche Blumen wachsen, auf welchen Wiesen die Kühe am liebsten fressen - ich liebe dieses Stuck Heimat.» Apropos Liebe: Die ist ja bekanntlich eine Himmelsmacht. Und darum hat es Monika Zwyer auch mit Macht hier hinauf gezogen. «Und dort, wo ich herkomme, ist die Zufahrt noch steiler als hier», sagt die Bauerntochter aus Schwyz.

Optimismus und Tatkraft
Die beiden strahlen eine fast unbändige Kraft und eine beinahe mit den Händen spürbare Lust am Leben aus. «Wir wollen anpacken und wir glauben an die Zukunft», sagt die Bäuerin. Bei so viel Optimismus und so viel offensichtlicher Tatkraft will auch Béatrice Rohr (63), die Geschäftsleiterin der Coop Patenschaft für Berggebiete, nicht abseitsstehen, sondern den beiden helfen. Und Hilfe braucht das junge Ehepaar. «Für uns zwei ginge es ja noch», erklären sie. «Aber das Haus ist in einem derart schlechten Zustand, dass wir hier keine Kinder grossziehen wollen.» Läuft die Waschmaschine, darf man kein Wasser sieden, sonst jagt es alle Sicherungen heraus. Die Balken hangen so tief, dass man automatisch den Kopf einzieht. «Und warmer als etwa 13 Grad wird es im Winter in der Küche nie», sagt Ueli Zwyer.

Ein Fall für die Patenschaft
Die beiden haben ihr kurzes Leben lang gearbeitet - Monika als Detailhandelsangestellte. Ueli als Landmaschinenmechaniker und daheim auf dem Hof. Und gespart haben sie auch - doch Reichtümer haben sie keine angehäuft. Wie auch. Und eben darum kommt Béatrice Rohr ins Spiel: «Wenn ich solche junge und tatkräftige Bauersleute treffe, Menschen, die etwas erreichen wollen und dafür auch widrige Umstande in Kauf nehmen, dann ist klar: Dann hilft die Coop Patenschaft mit.» Im konkreten Fall bedeutet das, dass die Patenschaft einen namhaften Beitrag an den Bau eines neuen Hauses beitragen wird. Dieses Haus soll Platz für eine Kinderschar - «am liebsten fünf», lacht Monika - bieten. Das erste ist bereits unterwegs. Zudem soll eine Einlegerwohnung für Uelis Vater entstehen, der dem jungen Paar auch weiterhin zur Seite stehen wird.

Kälber per Seilbahn
Das Leben der Riedberg-Bauern wird auch mit einem neuen Haus nicht einfach sein. Im Sommer ziehen sie mit den Kühen und den Kälbern auf die Alp Fron. Die ist noch abgelegener und steiler als der Heimhof auf Riedberg. Auf jeden Fall führt dort keine Strasse hinauf und die Kälber werden Ende Sommer mit einem Seilbähnchen heimgefahren. Gerade diese Abgelegenheit ist ein weiterer Grund für eine Intervention der Coop Patenschaft: «Eines unserer Ziele ist die Aufrechterhaltung der dezentralen Besiedlung», erklärt Rohr. Für die Familie Zwyer spielt weder die Abgelegenheit noch die harte Arbeit eine Rolle: «Wir glauben an die Zukunft unserer Familie und unseres Hofs, sagt die Bäuerin. Und der Bauer ergänzt: «Sonst waren wir hier am falschen Ort.»?

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